die suche
  • Autor: Link, Charlotte
  • Verlag: Blanvalet Verlag
  • Auflage: Originalausgabe (1. Oktober 2018)
  • Gebundene Ausgabe: 656 Seiten
  • ISBN-10: 9783764504427
  • ISBN-13: 978-3764504427
  • Kategorie: Krimis mit Detektivinnen
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Die Suche

Wer gerne spannende, mitreißende und gute Bücher liest, der kennt Charlotte Link. Ich auch. Ich mag ihren intensiven Schreibstil und ihr Talent, Spannungen aufzubauen und Geschichten in Richtungen zu lenken, mit denen man nicht rechnen würde. Ihren letzten Roman „Die Suche“ haben ich mit Skepsis und Vorsicht in die Hand genommen und gekauft. Denn als Mutter zweier junger Töchter, hat mir alleine der Klappentext des Buches die Nackenhaare zu berge stehen lassen. Etwas länger als üblich lag das Buch auch unangetastet bei mir zu Hause, habe es umschlichen, beäugt und dann doch an einem ruhigen Sonntag in die Hand genommen und SOFORT durchgelesen. Dass mir jetzt ein wenig flauer im Magen ist, wenn meine zwei Hübschen alleine unterwegs sind, liegt nahe. Charlotte Link weiß eben, wie sie ihre Leser emotional ansprechen muss, um Gefühle wie Angst, Verzweiflung, Hilflosigkeit und – in Falle von „Die Suche“ – die Trauer einer Mutter zu wecken.

Das gewählte Setting ähnelt den vielen Romanen von Charlotte Link und es ist auch nicht verwunderlich, dass man auf bereits bekannte Charaktere aus den früheren Büchern trifft. So ermittelt im Fall der im Moor verschwundenen Mädchen wieder Kate Linville; wenn auch in inoffizieller Funktion. Denn in dem kleinen Örtchen Scarborough hat die Ermittlern von Scotland Yard eigentlich keine Befugnisse. Dafür steht Kate ihr alter Bekanntet Caleb Hale zur Seite, der ihr mal mehr, mal weniger hilft. Immerhin ist er der Verantwortliche in der Suche nach dem, in den Medien verschrieenen, Hochmoor-Killer. Dennoch konzentrieren sich viele Seiten des Romans auf den Alleingang von Kate. Das sind wir aber von Charlotte Link gewohnt, die es auch in diesem Romans schafft ihren Hauptcharakteren neue Tiefe zu verleihen. Wieder lernen wir Kate etwas besser kennen. Wieder erfahren wir mehr von ihr als Person, ihren Handlungsmotiven und ihrer Starrköpfigkeit für Recht und Gerechtigkeit einzutreten.

Es war nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. So viele neue Figuren und potentielle Tatverdächtige bringt Link ins Spiel. Damit schafft sie großen Raum, dass sich der Leser auf eine falsche Fährte begibt. Da beginnt man noch genauer zu lesen. Da beginnt man noch genauer nach „Hinweisen“ zu suchen, die einem zum wahren Täter und Mörder führen. Gut gemacht!

Besonders mitreißend und gefühlsnah schafft es Link die Familie Goldsby dem Leser vorzustellen. Dass hier meine Empathie für die völlig verzweifelte Mutter in ungeahnte Intensität ausartete, war selbst für mich überraschend. Doch wie sehr das Herz einer Mutter reißen und brechen muss, wenn die geliebte Tochter verschwindet – daran möchte ich selbst einfach nicht denken. Dafür beschreibt es Link bereits so authentisch, nah und gefühlsecht. Zeitweise hatte ich das Gefühl, dass es mein Kind sei, dass nicht nach Hause gekommen ist. Hut ab vor dieser großen Kunst!

Was Link auf jeden Fall mit ihrem Kriminalroman geschafft hat, ist es, dass meine Gedanken unweigerlich zu düsteren Moorlandschaften wandern und ein Unbehagen dem Rücken herauf kriecht, wenn meine Kinder nicht pünktlich abends zuhause erscheinen. Selbst eine Minute Verspätung meiner Lieben, lässt mich unruhig werden. Das spricht eindeutig für Charlotte Link und ihr Talent.

Melanie Neuhauser

Hallo! Ich bin Melanie, bekennende Leseratte und schreibe für Euch diese Bücher Rezension. Kontakt per Twitter: http://twitter.com/Buchkiller