Buchkritik Luca di Fulvio Das Mädchen das den Himmel berührte
  • Autor: Luca Di Fulvio
  • Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Verlag)
  • Aufl. 2013 (15. Februar 2013)
  • ISBN-10: 3404167775
  • ISBN-13: 978-3404167777
  • Taschenbuch: 976 Seiten
  • Originaltitel: La ragazza che toccava il cielo
  • Kategorie: Roman
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Das Mädchen, das den Himmel berührte

In Luca Di Fulvios Roman „Das Mädchen, das den Himmel berührte“ geht es um die Lebensgeschichte eines kleinen Mädchen mit Namen Giudetta und ihrem Vater Isacco Negroponte. Die kleine Familie gehört dem Judentum an und ist von einer fernen Insel aus nach Italien gezogen, um dort ein besseres und erfolgreicheres Leben zu beginnen. Im Vordergrund des Romans stehen Betrüger und Gauner, wie etwa die zahlreichen Straßenkinder Roms, aber auch der Vater Giudettas, der sich ebenfalls gezwungen sieht, zu betrügen, um im Leben Erfolg zu haben. Zwischen den Charakteren des Romans entwickeln sich problematische Konstellationen rund um Eifersucht, Rache, Mord, Intrigen, Lügen und Betrug.


Isacco und seine Tochter stehen vor massiven Problemen, sind Judenfeindlichkeit und Rassenhass ausgesetzt. Dies führt dazu, dass sie zur niederen Gesellschaft gehören. Sie werden auf die Stufe von Huren und Betrüger der Stadt gestellt. Auch die Hexenverfolgung und Stigmatisierung des Unbekannten spielen in „Das Mädchen, das den Himmel berührte“ eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund lässt sich dieser Roman wohl auch als ein sehr kritisches Werk auffassen. Es werden Themen aufgegriffen, die selbst heute noch immer nicht an Aktualität verloren haben, wie beispielsweise Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit. Diesen Problemen entgegengestellt werden wichtige Werte wie Liebe, Freiheit, Loyalität und aufrichtige Freundschaft. Für diese lohnt es sich immer wieder zu kämpfen.

Der Autor ist stets bemüht, die verschiedenen Charaktere in ihrer Komplexität, ihrem Handeln und Fühlen sehr sensibel und empathisch darzustellen und beleuchtet in diesem Zusammenhang auch deren innere Beweggründe und Motive. Luca Di Fulvio zeigt damit menschliche Abgründe auf und ihm gelingt die Wandlung der Charaktere zwischen Gut und Böse. Der Leser kann nachvollziehen, warum sich die Figur in eine bestimmte Richtung entwickelt. Der Leser identifiziert sich dadurch stark mit den Charakteren und baut eine Beziehung zu ihnen auf.

Luca Di Fulvios Roman spielt in den kleinen Gassen Roms im sechzehnten Jahrhundert. Aus diesem Grund werden auch immer wieder Volkskrankheiten und zu der Zeit weit verbreitete, gefürchtete Seuchen thematisiert. Der Roman enthält deshalb viele historische Elemente und ermöglicht dem Leser eine Reise durch das alte Rom, wie es einst existierte. Der Autor ist um eine der Zeit entsprechende Sprache bemüht und vermittelt einen echten Eindruck davon, wie die Menschen im 16. Jahrhundert lebten und mit welchen Problemen sie sich konfrontiert sahen. Genau wie Luca Di Fulvios erster Roman „Der Junge, der Träume schenkte“, handelt es sich auch bei „Das Mädchen, das den Himmel berührte“ um eine äußerst gelungene Geschichte, die den Leser in ihren Bann zieht. Der Roman ist spannend, detailreich und die vorkommenden Charaktere werden mit großen Einfühlungsvermögen beschrieben. Als Leser ist man daher fast traurig, dass das Buch schon ausgelesen ist, da man eine tiefe Beziehung zu den Hauptpersonen aufbaut und mit ihnen mitleidet und sich freut.

Melanie Neuhauser

Hallo! Ich bin Melanie, bekennende Leseratte und schreibe für Euch diese Bücher Rezension. Kontakt per Twitter: http://twitter.com/Buchkiller