Buchkritik: Er ist wieder da
  • Autor: Timur Vermes
  • Verlag: Eichborn Verlag
  • Auflage: 2013 (21. September 2012)
  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • ISBN-10: 3847905171
  • ISBN-13: 978-3847905172
  • Kategorie: Roman

Er ist wieder da

Ist Hitler chronisch oder komisch?

Der Journalist und Autor Timur Vermes hat im September 2012 einen Roman veröffentlicht, der in der Schlichtheit seines fiktiven Handlungsstrangs seine ganze Wucht entfaltet und sofort in die Bestsellerlisten aufstieg.

Hitlers Galoschen des Glücks
Adolf Hitler ist wieder da. Er war eigentlich nie richtig weg und erwacht nach einer Art Zeitreise im August 2011 in Berlin-Mitte. Aus dem seltsamen Mann mit der benzingetränkten stinkenden Nazi-Uniform wird eine ernst genommene Mediengröße, die auf dem Erfolgsweg in die Politik gerade erst angefangen hat. Man muss kein Historiker sein um hier ein geschichtliches Déjà-Vu zu haben. Was sind im Buch Hitlers Bausteine zum Erfolg? Dass alle Beteiligten bei dem Versuch mit dem umzugehen, was nicht sein kann und nicht sein darf, über sich selbst hinauswachsen. „Sie sind furchtbar, aber wenigstens nicht langweilig.“ Das reizt zum Nachdenken.

Biedermänner und ein Brandstifter


Ein toleranter Kioskbesitzer, der in Hitler einen Schauspieler vermutet, verhilft ihm zum Start ins 21. Jahrhundert. Er stellt den Medienkontakt her, Adolf Hitler wird als Adolf Hitler in einer Comedy-Show auftreten. Sein Ziel ist die Wiederaufnahme des Führeramts als Leitwolf der verweichlichten deutschen Massen. Ja, wir sind gemeint. Die Ziele der anderen sind eine gute Comedy-Show, Ruhm und Geld. Selten hat sich ein literarisches Missverständnis so schnell in einen gemeinsamen Erfolg verwandelt, von Hitler in väterlicher Nachsicht toleriert, immerhin erhält er den Grimme-Preis.
Er bekommt eine eigene Show, die Anhängerzahl wächst ständig und er missioniert auch auf der Straße. Vom Zweitkomiker wird er zu dem „irren YouTube-Hitler“, den auch die Bild-Zeitung nicht mehr ignorieren kann. Eine mediale Hetzjagd beginnt, die in ein Attentat auf ihn mündet. Aber Hitler hat schon eine neue Strategie.

Wer solche Feinde hat, braucht keine Freunde

Hitler macht die Bild-Zeitung handzahm mit dem ältesten Demagogentrick, der plausiblen Verunglimpfung des Angreifers. Ein Bravourstück politischer Satire. Alleine dafür lohnt sich die Lektüre. Bei Hitlers Besuch der NPD-Parteizentrale auf der Suche nach Mitstreitern wächst Vermes sprachlich über sich hinaus.

Gibt es doch ein richtiges Leben im falschen?

Das Buch führt oft zum aufgeklärten Gelächter, auch wenn wir wissen: Man lacht nicht mit einem Herrn Hitler, schon gar nicht, wenn das Buch aus seiner Perspektive geschrieben wurde. Wer will schon als Mitlacher zum Mitläufer mutieren? Aber seinen Gegnern belächelnswerte Schwächen nachzuweisen, rechtfertigt noch lange nicht die eigenen Wahnvorstellungen. Und die führen bei uns nur zum entsetzten Schaudern. Muss man sich das als Leser antun? Unbedingt.

Gute Gründe, dieses Buch zu lesen

Es ist wort- und handlungslogisch einfach brillant.
Das Buch ist nachhaltig. Satirisch angefüttert wird der Leser mit dem Mut zur Selbstreflexion motiviert, sich mit Hitler in seiner Zeit und vor allem mit seiner Zeitlosigkeit zu beschäftigen, gemessen daran, dass wir alle beeinflussbar sind und immer wieder wären.

Es ist sehr empfehlenswert für selbstbewusste Leser, die sich ihre Meinung lieber selber bilden, auch wenn es anstrengend ist. Unterfordert bleibt hier keiner. Und es ist wirklich zum Brüllen komisch.

Melanie Neuhauser

Hallo! Ich bin Melanie, bekennende Leseratte und schreibe für Euch diese Bücher Rezension. Kontakt per Twitter: http://twitter.com/Buchkiller